Dshamilja von Tschingis Aitmatow

Dshamilja

in einer Produktion von Richard Schnell & Fritz Nagel

In den Wirren des zweiten Weltkrieges finden sich im fernen Kirgisien drei junge Menschen zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen. Mit Pferd und Wagen fahren sie schwere Kornsäcke von der Dreschtenne der Kolchose zur Bahnstation. Harte Arbeit, aber alle drei haben Träume und lassen unter dem tapferen pragmatischen Funktionieren tiefe Persönlichkeiten erkennen. Bald jedoch bricht diese Kruste des harten Alltags auf und brodelnd brechen die individuellen Schicksale und Begabungen hervor. Richard Schnell zeichnet die Bilder der Geschichte durch sein Erzählen, durch die Musik von Fritz Nagel werden sie erlebbar.

»Ich schwöre es, die schönste Liebesgeschichte der Welt.« Louis Aragon

 

 

Das erste Hörstück von Fritz Nagel und mir. Mittlerweile haben wir die Geschichte von Dshamilja, Danijar und Said von Hamburg bis Zürich über fünfzig mal erzählt mit Worten und Tönen.

Wir spielen gerne auch für Sie!
Spieldauer: 75 Minuten

Richard Schnell lässt „Dshamilja“ entstehen, Tschingis Aitmatows wunderschöne Geschichte von der Liebe. Entstehen lassen, das heißt nicht bloß Erzählen, Schauspielern oder gar Vorlesen (was er nicht tut). Selten, oder nie habe ich eine Geschichte so lebendig in mir gesehen, gefühlt und erlebt wie an diesem Nachmittag die Geschichte der schönen Dshamilja, dem starken, weichen Danijar und dem jungen Said, der seine Kindheit verliert und zum Künstler wird.
Es ist ein „Hörstück“, also schloss ich die Augen und wurde ganz und gar eingetaucht in eine fremd­vertraute Welt. In der fernen, fremdartigen Landschaft der kirgisischen Steppe zur Zeit des zweiten Weltkriegs ereignet sich, was jeder kennt: die Liebe. Eine Landschaft der Gefühle in feinsten Schattierungen legt sich auf die spätsommerliche Landschaft Kirgisiens, so wie sich der Gesang des sanftmütigen Danijars beim nächtlichen Heimweg auf die Steppe legt.
Richard scheint Aitmatows „Dshamilja“ „beim Wort zu nehmen“ und aus den einzelnen Lauten, Worten, Sätzen und ihrem Zusammenklang die Geschichte herauszuholen, herauszuschälen und diese erst zu wirklichem Leben zu erwecken. Die unglaublich bild­hafte Kraft und Lebendigkeit seines Sprechens muss aus dieser Befragung der Sprache an sich kommen und dem Vertrauen in die Kraft, die der Sprache selbst innewohnt. Vielleicht kann so Geheimnis­volles offen ausgesprochen werden. Das Rätsel des Sich-Verliebens zum Beispiel.
Bücherlesen ist schön, doch nach diesem Erlebnis wünschte ich, jede Geschichte in dieser Art zu neuem Leben erweckt erleben zu dürfen.

Miriam Wahl


Hörprobe: Danijars Lied

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Flyer: Dshamilja

Die Erzähl-Reise „Dshamilja“, vorgetragen von Richard Schnell (Text) und Fritz Nagel Biberbach (Musik) ist eine fesselnde Performance, die an die längst verloren gegangene hohe Kunst des Geschichten-Erzählens anknüpft, wie sie nur noch in wenigen Ländern so lebendig zu erleben ist.
Nur anhand einer Stimme und der tiefen Nachempfindung des Textes in Schnells Vortrag wird die fesselnde Geschichte von Tschingis Aimatow in unsere Vorstellungen plastisch, durch die Klänge von Nagels Flöten werden Räume zu Landschaften, die Stimmungen der Charaktere zu unseren eigenen.
In dieser Intensität bislang nur in traditionellen Kulturen in über Jahrhunderte tradierten Formen erlebt (z.B. in der Performance von marokkanischen Halqa-Geschichtenerzählern oder in koreanischen Pansori-Vorträgen) steigt am Ende der Performance, in dieser Stille, wenn man zurück ist von der Reise nach Kirgisien, Wehmut und Sehnsucht auf, nach mehr von diesen sehr innigen und magischen Momenten, wie man sie gerade erleben durfte und die so gut wie vergessen sind in unserer heutigen hochtechnisierten Welt des visuellen und akustischen Non-Stop-Inputs hohler Inhalte.

Hyo Jin Shin


 

Mein Vorbereitungs-Ort – eine Schweizer Alp

Im Sommer 2017 habe ich mir unsere leicht gekürzte Textfassung von Dshamilja auswendig erarbeitet. Nach 12 Stunden Arbeit mit den Tieren, der Milch, dem Feuer, dem Mist und dem Käse bin ich in dieser Schweizer Bergwelt gehend mit den Worten Aitmatows in die Kirgisischen Berge und die Kasachische Steppe eingetaucht.
Die Generalprobe fand auf der Stierendungl-Alp im Berner Oberland statt. Und dort auf 2000 Metern Höhe habe ich mehrere Alpsommer gelebt und gearbeitet.